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Urs Faes und der Himmel auf Erden

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«Ein leises Kammerspiel der Zweisamkeit»: So bezeichnete LGL-Präsidentin Regula Jeger das jüngste Werk «Sommerschatten» von Urs Faes bei ihrer Begrüssung des renommierten Schweizer Schriftstellers. Inhaltlich geht es wie bei grosser Literatur (und auch bei weniger grosser) um Liebe und Tod. Und es geht um das Erzählen und das Erinnern. Daran erinnerte Moderator Urs Bugmann in seiner ausführlichen Einführung und Würdigung von Urs Faes' 13. Roman. Eine Frau, Ina, verunglückt beim Freitauchen und liegt jetzt unansprechbar im Koma, ihr Partner vergewissert sich erzählend und erinnernd ihrer Liebe, ihrer gemeinsamen Erlebnisse. Medaillons nennt Faes die präzise ausgemalten Erzählungen, die im Roman verwoben sind. Es sind in Sprache umgesetzte Vergewisserungen, dass es diese Liebe gegeben hat, vielleicht wieder gibt, wiederbelebt durch Sprache. «Haben wir uns nur in Worten geliebt, im Schreiben und Erzählen?», fragt sich der Erzähler und baut auf die Kraft der Worte, denn: «Nur im Erzählen kehrt das Leben zurück; nur dort ist auch das Verlorene wiederzufinden, die Zeit, die Liebe (…)», heisst es im Roman.

Im Gespräch ging es dann vor allem auch um die Wirkungsmacht der Sprache. «Der Stoff und die Bilder fallen einem zu», sagte Urs Faes, «aber nicht so die Worte.» 16 Fassungen erarbeitete er, kürzte und korrigierte. «Wie finde ich die richtige Sprache für einen Stoff?»: Das ist die Frage, die Urs Faes beim Schreiben (übrigens von Hand) jedes seiner Bücher umtreibt. Und wenn er sie dann gefunden hat, so trägt sie ihn fort und löst ein Glücksgefühl aus. Sein Gesicht widerspiegelte beim Erzählen einen Moment lang dieses Glück.

Der Leser, die Leserin wird im Buch 160 Seiten lang und darüber hinaus im Ungewissen gelassen, ob Ina je wieder erwacht, auftaucht oder sich endgültig freigetaucht hat in ein anderes Leben oder in den Tod. «Kunst heisst Offenheit», zitierte der Autor. En Happyend ist mindestens nicht ausgeschlossen, sogar vorstellbar.

Die vielen Zuhörenden tauchten nach gut einer Stunde auf aus einem berührenden und zärtlichen Liebesroman, im Ohr und weiter innen noch Urs Faes' zuletzt vorgelesenen Satz: «Wer liebt, geht voran und findet auf der Erde einen Himmel.»

Hans Beat Achermann (Text und Bild) – 27. August 2025

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