Programm
Die LiteraturGesellschaft Luzern macht das Lesen lebendig. Mit zehn bis zwölf jährlichen Veranstaltungen bringen wir Ihnen Bücher und ihre Verfasserinnen und Verfasser nahe.
Die LGL lädt seit 2013 Literaturinteressierte in verschiedenen Formaten zur Auseinandersetzung mit verschiedenen literarischen Formen ein.
Hier finden Sie das das Programm für das erste Halbjahr 2026.
Anmeldung erforderlich, bitte mit Angabe der gewünschten Lesung, unter
reservation@literaturgesellschaft-lu.ch.
Eintritt: Fr. 20.– / für LGL-Mitglieder Fr. 15.– / für Studierende Fr. 10.– / mit Kulturlegi Fr. 10.–.
Catalin Dorian Florescu: «Matei entdeckt die Freiheit»
Dienstag, 19. Mai 202619.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Lesung und Gespräch
Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Zentralschweiz lit.z.
© Evi Fragolia
Ein kurzer Blick in einer Bukarester Strassenbahn. Matei erkennt seinen früheren Peiniger aus dem Gefängnis wieder. Es sind die befreiten 1990er Jahre, alles scheint möglich, sogar Gerechtigkeit … Der junge Matei wächst auf im pulsierenden Bukarest der 30er Jahre, doch in der Diktatur verliert seine Familie alles. Und Matei wird wegen politischer Gedichte verurteilt, zur Lagerarbeit im Donaudelta. Nach Jahren wird er begnadigt, erfährt Familienglück, doch nie echten Frieden. Entlang eines Lebens erzählt Catalin Dorian Florescu in aufwühlenden, poetischen Bildern das Drama des europäischen Ostens. Eine grosse Reflexion über Glück, Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei?
Catalin Dorian Florescu, 1967 in Rumänien geboren, hat seine Kindheit in der kommunistischen Diktatur verbracht. Für seine Romane hat er zahlreiche Preise erhalten, unter anderem den Schweizer Buchpreis, den Anna-Seghers-Preis und den Eichendorff-Literaturpreis. Catalin Dorian Florescu lebt in Zürich.
Tomer Gardi: «Liefern»
Donnerstag, 28. Mai 202619.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Lesung und Gespräch
Moderation: Pablo Haller
Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos und gibt denen eine Stimme, die in unserer Welt selbst keine haben. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit.
«Liefern» ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.
Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, lebt als Schriftsteller in Berlin. Sein Debüt «Stein, Papier» erschien 2011 auf Hebräisch und 2013 in deutscher Übersetzung. 2016 erschien sein Roman «Broken German». Für den Roman «Eine runde Sache» erhielt er 2022 den Preis der Leipziger Buchmesse. Seine Arbeiten wurden mehrfach mit renommierten Stipendien ausgezeichnet.
Ilma Rakusa: «Wo bleibt das Licht»
Dienstag, 9. Juni 202619.30 Uhr, Hotel Schweizerhof, Luzern
Lesung und Gespräch
Moderation: Manfred Papst
In Tagebuchprosa, Gedichten, Monologen und Dialogen erkundet sie mehr als zweieinhalb Jahre lang – beginnend im Sommer 2022 – ihr Inneres im Spiegel des Aussen.
Sie blickt mit Schrecken und Erschütterung auf die Krisenherde der Welt, hadert, zweifelt und verzweifelt. Mit klarem Blick und scharfer Urteilskraft prangert sie wortstark Ungerechtigkeit und Despotismus an, appelliert an Menschlichkeit und Verstand, berichtet voller Empathie vom Alltag notleidender Menschen. Das Persönliche und das Politische gehen in diesen Reflexionen, Gegenwartsbetrachtungen und Sprachperlen Hand in Hand.
Ilma Rakusa, geboren 1946 als Tochter einer Ungarin und eines Slowenen, studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und St. Petersburg. Sie lebt als Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin (NZZ, Die Zeit) und Universitätslehrbeauftragte in Zürich. Nicht zuletzt mit ihren zahlreichen Übersetzungen aus dem Russischen Französischen, Serbokroatischen und Ungarischen trägt sie zur Vermittlung osteuropäischer Literaturen bei.
© Katalin Deer
Usama Al Shahmani: «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied»
Mittwoch, 24. Juni 202619.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Lesung und Gespräch
Moderation: Luzia Stettler
© Ayse Yavas
Gadi lebt als Dozent für hebräische Sprache in Zürich, als sein Vater in Israel im Sterben liegt. Über dreissig Jahre hatte er keinen Kontakt mehr zu ihm. Wider Willen reist er ans Krankenbett des Vaters, nach seinem Tod bleibt ein unbequemes Erbe: eine Tasche mit Tagebüchern und Aufzeichnungen sowie der letzte Wunsch, die Hälfte seiner Asche solle in den Tigris gestreut werden. Als Gadi in einem der Hefte zu lesen beginnt, begegnet ihm nicht nur ein unbekannter Vater, sondern auch ein dunkles Kapitel der irakischen Geschichte: die Vertreibung der dort seit über zweitausend Jahren ansässigen jüdischen Bevölkerung unter tatkräftiger Hilfe der Nationalsozialisten.
Usama Al Shahmani, geboren 1971 in Bagdad und aufgewachsen in Qalat Sukar (Nasirija), hat arabische Sprache und moderne arabische Literatur studiert. Er publizierte drei Bücher über arabische Literatur, bevor er 2002 wegen eines Theaterstücks aus dem Irak fliehen musste. 2018 erschien sein erster Roman «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch». Für seine Werke wurde Usama Al Shahmani vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Terra-Nova-Schillerpreis. Usama Al Shahmani lebt in Zürich.