Mit Fabio Andina im Bleniotal: Pozza und Pizza
Am 15. Februar 2022 hatte er auf Einladung der LiteraturGesellschaft in Luzern gelesen: Fabio Andina, der Tessiner, der mit seinem Roman «Tage mit Felice» einen Bestseller verfasst hat. Auch wenn im Buch steht, dass die Geschichte rein fiktional sei, stimmt das natürlich nur zur Hälfte. Sechs Literaturbegeisterte machten sich auf den Weg ins Bleniotal, wanderten steil hinauf zur Pozza, zur Gumpe, zum kleinen Teich am Fusse eines kleinen Wasserfalls auf 1230 Metern Höhe hoch über Leontica. Die Pozza ist also keine Fiktion, ebenso wenig wie Felice, der Eigenbrötler, der richtig Anselmo hiess und der fast täglich dort oben sein Bad nahm bis zu seinem Tod mit über 90 Jahren.
Doch zuvor ging es von Acquarossa mit dem kleinen Bus der Autolinee Bleniesi über geschätzte ein Dutzend Nadelkurven hinauf nach Leontica – unterwegs musste von der Chauffeuse noch ein auf der schmalen Strasse schlafender Hund wegbugsiert werden. Im Ristorante Larice wartete bereits Fabio Andina, nach Kaffee und Cornetti ging’s an Fabios Haus vorbei, das mal eine Käserei war, dann an der Casa, in der Felice bzw. Anselmo wohnte und das nun einem Zürcher Anwalt gehört. Weiter über eine asphaltierte Strasse sanft hinauf, immer markiert durch die schön gestalteten Tafeln mit dreisprachigen Textausschnitten aus Andinas Buch und den Routenangaben zur Pozza. Die Hitze trieb rasch den Schweiss aus den Poren ins T-Shirt. Im Mischwald wurden die insgesamt 400 Meter Höhenunterschied grösstenteils mit Steinstufen überwunden. In einer Lichtung klingelte Fabios Handy: Grazie, grazie, grazie, grazie war seine Antwort auf die eben erhaltene Mitteilung eines Jurymitglieds des welschen Radio und Fernsehens RTS: Sein auf Französisch übersetztes Buch «Jours à Leontica» hatte eben den Prix public zugesprochen erhalten, dotiert mit 10 000 Franken. Als Erste durften wir davon erfahren, klatschten und riefen Auguri, auguri.
Dann gings noch ein Stück dem steilen Hang entlang, schön im Schatten, schon rauschte der Wildbach, und dann standen wir ein paar Meter oberhalb der Pozza, einem hüfttiefen Tümpel, mit Steinen gestaut und kaltem Bergwasser gefüllt. Nur Silvan liess es sich nicht entgehen, diesen Jacuzzi zu benützen, die andern genossen die Ruhe und den weiten Blick ins Bleniotal Richtung Lukmanier.
Nach einem 40minütigen Abstieg wartete im «Larice» nach der Pozza die Pizza aus dem Holzofen, dazu viel Wasser. Ein Besuch der über tausendjährigen Kirche San Carlo beim Weiler Negrentino rundete die literarische Wanderung ab, ergänzt durch kultur- und kunstgeschichtliche Informationen, vermittelt durch Aurelio Dell’Oro, einem alteingesessen Talbewohner aus Prugiasco, der in tessinerisch gefärbtem Berndeutsch viel Wissenswertes erzählte.
Ein gelungener Tag mit Fabio auf den Spuren von Felice, bestens organisiert von Felicitas Spuhler. Grazie a tutti!
Hans Beat Achermann (Text und Bild)