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Literatur gepaart mit Musik in bester Gesellschaft

Das Schlussbild: Alle auf der Bühne.

Ein Gruppenbild zum Abschluss. 

Erfolgreicher Jubiläumsanlass 10 Jahre LGL  

Bis auf den hintersten Platz ist der Bringolfsaal im Schweizerhof mit fast 200 Personen besetzt an diesem strahlenden Abend des 23. Juni. Gefeiert wird das zehnjährige Bestehen der LiteraturGesellschaft Luzern LGL. Präsidentin Regula Jeger begrüsst das Publikum und würdigt den mittlerweile 94-jährigen Gründer, Peter Schulz, der «im Geist» seine Gesellschaft mitfeiert. Literatur reisst mit, wühlt auf… und vieles mehr; sie verbindet, wie die literarischen Paare des Abends eindrücklich vor Augen führen. Der oder die Erstgenannte, bei der LGL schon einmal Gast, bekam Carte blanche und brachte eine schreibende Kollegin, einen befreundeten Schriftsteller mit. So unterschiedlich die Paare, so spannend ihre Gespräche, ihr Lesen, ihr Nachdenken über das Wesen der Fiktion.  Wie soll man sich in dieser «Versuchsanordnung» auf die vorgegebenen 15 Minuten beschränken? Regula Jeger und Hans Beat Achermann lassen die Duett-Paare mit je wenigen treffenden Worten auf die Bühne treten.

Der Basler Autor Martin R. Dean hat die Luzerner Lyrikerin Katharina Lanfranconi zum Pas de deux eingeladen. Deren lebendig rezitierten Gedichte verweben sich sehr stimmig mit Passagen aus Deans Essay «Verbeugung vor Spiegeln»; tatsächlich spiegeln sich die poetischen Bilder ineinander – wer kann da die Einladung «Komm auf den Balkon» der Dichterin ausschlagen?

Der Einladung des in Zürich lebenden Autors Urs Faes sehr gern gefolgt ist die aus Berlin stammende Schriftstellerin Barbara Honigmann, welche seit langen Jahren in Strassburg lebt. Sie liest den Anfang aus «Chronik meiner Strasse» und verrät dann als Clou, dass es für deren «Urszene» schliesslich keinen Platz mehr gab im Text. Wesentlich geht es auch im Schaffen von Urs Faes um die Frage, wie sich «das Wirkliche» in literarischen Stoff verwandelt. Die gelesene Passage, noch auf pinkem Arbeitspapier ausgedruckt, lässt uns gespannt auf seinen neuen Roman warten.

In der Literatur und vorher schon im Leben gefunden haben sich Dana Grigorcea und Perikles Monioudis, die Rücken an Rücken am Küchentisch schreiben und sich anschliessend gegenseitig mit Texten überraschen. Anhand einer Passage aus «Frederick» (der Protagonist wurde berühmt als Fred Astaire) von Perikles Monioudis stellt sich die Frage, welche Rolle die Kunst im Leben spielt, was sie gibt, was sie nimmt. Darum kreist auch die Liebesnovelle seiner Frau: «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen» mit der Primaballerina Anna. Als ob sie selbst auf der grossen Opernhausbühne stünden, übersprudeln Frau und Mann, Autor und Autorin vor Energie und wünschen der LGL weitere 100 Jahre!

Nach der kleinen Pause folgen die beiden Schriftstellerinnen Tabea Steiner und Melinda Nadj Abonji; diese ist auch Musikerin, logisch, dass sie ihr Duett mit musikalischen Worten angekündet haben. Und nun wollen sie ausprobieren, welchen Klang der nicht selbst geschriebene Text annimmt: Melinda Nadj Abondji liest einen Ausschnitt aus Tabea Steiners neuem Roman «Immer zwei und zwei» und befragt die Autorin zum Titel. Das Abgehackte ebenso wie die Verschiebung der Ordnung interessieren sie, meint Tabea Steiner. Bevor sie aus «Schildkrötensoldat» liest, sagt ihre Kollegin, dass am Anfang dieses Wort war, drei Mal sechs Buchstaben. Auch die Satzzeichen, die Pausen also, sind ihr wichtig, aber auch verhasst. Hier unterbricht das unerbittliche Glöcklein die Lesung, und dem Publikum entgeht bestimmt Spannendes.

Mit Leo Tuor und Noëmi Lerch wird der Abend dreisprachig und noch musikalischer: «Die Wölfin», zunächst romanisch (La luffa), dann in der Sprache Goethes (Leo Tuor nimmt die Erwähnung des an Barbara Honigmann verliehenen Goethe-Preis der Stadt Frankfurt auf), dann «Die Pürin», zunächst italienisch (mit der Übersetzung «La contadina» sei sie richtig angekommen im Bleniotal, meint Noëmi Lerch), dann im deutschen Original. Als Beispiel für die Musikalität der poetischen Sprache erzählt Leo Tuor von jener Lesung mit einem Musiker, welcher seinen Text nicht verstand, dessen Qualitäten aber perfekt in Musik umsetzte: «Sprache ist immer Musik».

Das Aufnehmen des Poetischen in der Musik kommt beim Spiel der drei Musizierenden in unterschiedlichen Kombinationen (Schwyzerörgeli, Saxophon, Cello, Bass) in Eröffnung, Zwischenspielen und Finale wunderbar zum Ausdruck; fein harmonierend, kraftvoll und umarmend geben sie dem Gehörten Echoraum. «Zwischenaktmusik» der besonders inspirierenden Art.

Mit grossem Dank allen voran an die Autorinnen und Autoren, den Musiker und die Musikerinnen, die Crew des Hotels, die Techniker von Auviso und die Geldgebenden Stiftungen sowie Sponsoren schliesst LGL-Vizepräsident Hans Beat Achermann diese ausserordentliche Ausgabe von Literatur in guter Gesellschaft - mit bestem Publikum - und lädt herzlich ein, auf die 10 Jahre LGL anzustossen.

24. Juni 2023 – Felicitas Spuhler (Text), Eveline Beerkircher (Fotos)

Die Bilder vom Jubiläumsanlass

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