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Leben und Lieben im Doppelpack

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Alain Claude Sulzer.

Es war ein Eintauchen in die kultivierte, (gross)bürgerliche Welt des 19. Jahrhunderts. Alain Claude Sulzers Roman «Doppelleben» erzählt die Geschichte der Brüder Goncourt, Edmond ist der ältere, Jules der jüngere und kränkere der beiden. Es sind zwei Leben und doch nur eines, das sich die beiden Brüder im selben Haushalt teilen.

Der eine kann nicht ohne den andern, das ist im Schreiben so und im Sterben, mindestens beinahe. Und auch im unverbindlichen Lieben teilt man sich die Geliebten. Ein Doppelleben führt aber auch Rose, die Haushälterin der beiden Junggesellen. Davon aber erfahren die beiden erst nach deren Tod, was umgehend in einen Roman verwandelt wird. Den Herrschaften ist die weibliche Gegenfigur Rose entgegengesetzt, die als «Hörige» und Abhängige die «Untertanenwelt» verkörpert und mit durchaus krimineller Energie die Brüder betrügt. So wird auf verschiedenen Ebenen doppelt gemoppelt, um es etwas salopp zu sagen. Sulzers Stil ist allerdings alles andere als salopp. So erlesen wie die Speisen, welche die Goncourts sich einverleiben, so erlesen ist Sulzers Stil. Und wenn er vorliest, wird die Sinnlichkeit der Sprache zu einem sinnlichen Hörvergnügen. Ein feiner Humor durchzog die vorgelesenen Stellen, unvergessen die Beschreibung der ungeniessbaren Speisen, welche Rose den Brüdern zubereitete – stets im Glauben, eine vorzügliche Köchin zu sein.

Das Buch basiert auf den berühmten 7000 Tagebuchseiten der Goncourts, die den Basler Autor so beeindruckt haben, dass er ihnen zu einer neuen Wahrheit und zu neuem Leben verholfen hat. Denn Schreiben heisst bei Sulzer arrangieren, verdichten, auslassen, ja, und auch ausschmücken, wie er auf Fragen des Moderators Urs Bugmann ausführte. So ist das «Doppelleben» bei aller Tragik ein vergnügliches Sitten- und Unsittengemälde, farbig, keine Biografie, aber ein lustvoller Blick in das Wohn-, Ess-, und Schlafzimmer zweier hochbegabter Brüder im Geiste, die dank Sulzers Roman weiterleben und -lieben.

 28. Februar 2023 – Hans Beat Achermann (Text und Bild)

LiteraturGesellschaft Luzern

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