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Klaus Merz und Simone Lappert: Mut zum Scheitern als Lebenselixier des Schreibens

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Schreiben in verschiedenen Lebensaltern: Darüber sprach Moderator Hans Beat Achermann (Mitte) mit Simone Lappert und Klaus Merz. (Bild Heidy Steffen)

Was unterscheidet das Schreiben eines 80-jährigen Autors vom Schreiben einer 40-jährigen Autorin? Das von Hans Beat Achermann, Vizepräsident der Literaturgesellschaft, klug geführte Gespräch zwischen Klaus Merz und Simone Lappert bot dem überaus zahlreich erschienenen Publikum Gelegenheit, dieser Frage anhand von illustrierenden Beispielen aus Lyrik und Prosa der beiden nachzugehen. Liegt der Unterschied im Spannungsfeld zwischen «Sich sehnen» (bei jüngeren Menschen) und «Sich erinnern» (bei älteren Menschen), wie Ulla Hahn dies in ihrem Gedicht «Älterwerden» andeutet? Gibt es Unterschiede in der Lernbereitschaft und der Lernfähigkeit zwischen den Generationen? Klaus Merz wollte von einer solchen Entgegensetzung   nichts wissen – es sei doch gerade eine Aufgabe auch der älteren Autorinnen und Autoren, sich den kindlichen Blick auf die Welt zu bewahren.

Trotzdem setzten Klaus Merz und Simone Lappert unterschiedliche Akzente bei der Beantwortung der Frage, was Schreiben für sie bedeutet. Diente es Klaus Merz in jungen Jahren dazu, seine Ängste zu bewältigen, und verspürte er bis ins 70. Lebensjahr beim Akt des Schreibens stets ein Gefühl der Lebendigkeit im Sinn von Descartes’ abgewandeltem Diktum «Ich schreibe, also bin ich», so hatte er in den vergangenen zehn Jahren immer mehr das Bedürfnis, auch ohne Schreiben als «Geh-Hilfe» über die Runden zu kommen. Mittlerweile vermittle ihm auch das Schweigen Momente einer besonderen Lebendigkeit. Für Simone Lappert hingegen ist das Schreiben der Ausdruck eines unbändigen Verstehen-Wollens von Welt – ähnlich wie dies in den Essays und Prosa-Arbeiten von Joan Didion zu beobachten sei.

In einem jedoch stimmten Simone Lappert und Klaus Merz überein: Schreiben setzt – unabhängig vom Lebensalter –den Mut zu scheitern voraus. So zieht sich das Scheitern wie ein roter Faden durch Simone Lapperts Gedichtband «längst fällige verwilderung» hindurch («Entschuldigung, wo kann ich hier ungestört scheitern?»), und Klaus Merz spürt beim Schreiben stets «eine Last von Scheitern auf den Schultern». Indem Simone Lappert am Schluss Samuel Beckett zitierte, brachte sie indes auf den Punkt, dass es immer ein Jenseits des Scheiterns gibt: «Immer versucht. Immer gescheitert. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.»

Hans-Rudolf Schärer (Text)

LiteraturGesellschaft Luzern

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