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Heinz Stalders 87 Erinnerungen aus 85 Jahren

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Grosse Bühne für den Krienser Schriftsteller Heinz Stalder: Patricia Draeger und Sergej Simbirev begleiteten musikalisch, Ina Brueckel moderierte die Buchvernissage.

Noch und noch mussten Stühle in den Bringolf-Saal im «Schweizerhof» geschleppt werden: Rund 140 Freunde und Freundinnen, Bekannte und literaturaffine Menschen wollten dabei sein, als Heinz Stalder an einer feierlichen Vernissage sein grosses Erinnerungsbuch «Veilchenblau» (erschienen bei der edition bücherlese) vorstellte. Der Abend jedoch begann mit Musik: mit lauten und leisen Akkordeon-Klängen zwischen Jazz und Volksmusik, vertrauten und verfremdeten Melodien, grossartig gespielt von Patricia Draeger und Sergej Simbirev. Ina Brueckel, versierte Moderatorin, die das 300seitige Buch auch lektoriert hat, bereitete die Zuhörenden behutsam auf die folgenden Textausschnitte vor, machte metaphorisch darauf aufmerksam, dass es gutes Schuhwerk und warme Kleider brauche, um auf Heinz Stalders Erinnerungsreise durch verschiedene Klimazonen zu gehen, vom Bernbiet nach Finnland und New York und immer wieder zurück nach Kriens und zum Schulhaus Gabeldingen am Sonnenberg, wo Heinz Stalder jahrzehntelang leidenschaftlicher Pädagoge war.

Stalder las dann drei verschiedene Textstellen aus seinen «Memoiren», die keine eigentliche Autobiografie sind, sondern in 87 kurzen Kapiteln an Begegnungen erinnern, an Landschaften und Städte, in denen der Vielgereiste wohnte oder unterwegs war. Die Geschichten seinen «nach dem Lustprinzip geordnet», bemerkte Ina Brueckel. Alles begann in Allenlüften im Kanton Bern, wo ihn die ältere Schwester zum Schreiben ermunterte: «Es muss nicht alles mit dem Gesehenen übereinstimmen. Erlaube dir, die Wirklichkeit auch mal zu verlassen. Vieles, was wir zu sehen vermeinen, ist ohnehin anders, als wir glauben.» Zu hören bekamen die Anwesenden Episoden und Anekdoten aus einem langen Leben, viele mit einem humorvollen Unterton, so wie man sich im Wirtshaus Geschichten erzählt, allerdings in einer literarisch austarierten sinnlichen Sprache. Der «Causeur» Stalder, wie ihn Ina Brueckel nannte, las und erzählte von seinen Schreibanfängen und seinem ersten Mundartbuch «Ching hei si gnue» und von der Geburt seiner zweiten Tochter nach einer durchzechten Nacht mit einem befreundeten Schauspieler, der dann auch Patenonkel der Tochter wurde. Köstlich auch die Szene, wie er mit seiner Frau in New York an einem Heiligabend im Schneegestöber und mit dem Blaulicht eines Polizeiautos einen finnischen Hochzeitswalzer tanzte.

Auf die Frage, wie es ihm nun gehe, wenn er die jetzt in Buchform erschienenen Erinnerungen selber lese, sagte Stalder: «Ich habe mich im Buch gefunden.» Und er ergänzte: «Vielleicht schafft man sich schreibend das Vergangene auch vom Hals.» Und noch ein schöner Satz ist mir geblieben: «Die Winde von Allenlüften halten mich immer noch oben.» Die Anwesenden blieben noch eine Weile auf dem Boden des «Schweizerhofs» und stiessen mit einem Glas Wein an, jetzt wieder ohne warme Kleider und gutes Schuhwerk.

Hans Beat Achermann (Text und Bild)

Ein Gespräch mit Heinz Stalder, welches das Regionaljournal Zentralschweiz sendete, können Sie hier nachhören.

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