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Hänsel und Gretel in neuer, zauberhafter Form

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Moderator Hans Beat Achermann und Autorin Sarah Kuratle nach der Lesung.

Die 1989 in Bad Ischl geborene, dies- und jenseits der österreichischen Grenze aufgewachsene Autorin Sarah Kuratle las aus ihrem Romandebüt «Greta und Jannis», 2021 im Otto Müller Verlag erschienen.
Hans Beat Achermann, Vizepräsident der LiteraturGesellschaft Luzern, begann das Gespräch mit der Bemerkung, dass man fast nicht mehr aufhören könne, über dieses Buch und seine Geheimnisse und Anspielungen zu sprechen, wenn man einmal angefangen habe. Obwohl, wie er sagte, vor allem die Sprache, die Bilder, die Musikalität, die Konstruktion, die Farbigkeit den Text auszeichnen, wagte er eine Inhaltsangabe:
Zwei Nachbarskinder, ein Knabe und ein Mädchen, wachsen in enger Geschwisterliebe zueinander auf. Dann erfährt das zur jungen Frau gewordene Mädchen, dass der zwei Jahre jüngere Mann ihr Halbbruder ist, sie haben denselben Vater; die Gefühle der beiden sind plötzlich nicht mehr erlaubt, doch Gefühle kann man nicht einfach wegscheuchen. Es bleiben Sehnsucht, Heimlichkeiten, Fluchten – ein Märchen ohne Happy End.
Sehr behutsam und kompetent führte der Moderator durchs Gespräch, fragte einleitend nach der Beziehung der Autorin zu den Märchen. Während ihres Studiums war Sarah Kuratle auf das Motiv der Geschwisterliebe gestossen. Im Schreibprozess seien die Figuren zuerst dagewesen; ausserdem ging es ihr auch wesentlich darum, die starken Gegensätze wie Gut und Böse, welche viele Märchen bestimmen, aufzulösen, diese Dichotomien aufzubrechen. Die Autorin liess das Publikum mit einer sehr gekonnten Lesung aus dem ersten Kapitel «Reise ins Gebirge» in diese lokal nicht festzumachende Welt eintauchen. Auch zeitlich bleibt vieles schwebend, «Vor acht oder in hundert Jahren», sagt der Untertitel, den sie eigentlich gern als alleinigen Titel gesetzt hätte.
Auf die Frage, wie sie die Fäden zusammenhalte, die zahlreichen Motive durchziehe, verriet Frau Kuratle, dass sie sich am Anfang eines Schreibtags schon geschriebene Passagen vorlese, um Ton und Bildwelt wiederzufinden. Am Beispiel des mit feuerroten Federn, aufgenähten Bienen, Luchsohrpinseln und Schneckenhäusern verzierten Huts machte sie deutlich, wie wichtig die Natur, Tiere und Pflanzen, ihr sind, nicht nur als Kulisse. Ihr botanisches und zoologisches Wissen holt sie sich aus Büchern, wichtigen Begleitern ihres Schreibens. Eines Schreibens, das vom Lyrischen durchdrungen ist; nicht von ungefähr, hatte sie doch mit dem Schreiben von Gedichten, die in Literaturzeitschriften wie den «manuskripten» veröffentlich wurden, angefangen.
Diese Lyrik führten zwei weitere Passagen, beides Rückblenden, vor Ohren. Nach ihrer Nähe zu Greta gefragt, meinte Sarah Kuratle, sie fühle sich allen Personen gleichermassen verbunden, und zitierte Michael Köhlmeier, welcher feststellte, dass die Figuren einem vorausgehen. Und die Autorin fügte bei, das Schöne an der Literatur sei, dass sie Empathie möglich mache, fürs Anderssein sensibilisiere.
Wie findet man als junge Autorin einen Verlag? Als Antwort auf diese Frage sprach sie vom Glück des Zufalls: Der Verleger war Juror bei einem Wettbewerb, an dem sie mit den ersten beiden Kapiteln des Romans teilnahm. Auch die zentrale Beziehung zur Lektorin ist für sie ein Glücksfall; diese lässt ihr genügend Zeit, ist behutsam, will nichts vereinfachen.
Wie freuen wir uns auf den Roman, an dem Frau Kuratle aktuell arbeitet!
Zwei wunderbar stimmige Geschenke, ein Luzerner Lebkuchen und der «manuskripte»-Band von 1985, rundeten den märchenhaften Abend ab.

PS
Einem Aufruf des internationalen literaturfestivals berlin ilb folgend, las Frau Kuratle am Anfang des Abends eine sehr erhellende Passage aus Salman Rushdies Roman «Mitternachtskinder».

Text: Felicitas Spuhler, Bild: Marco von Ah

30. September 2022

LiteraturGesellschaft Luzern

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