literaturgesellschaft Logo
literaturgesellschaft Logo
  • Programm
  • Porträt
  • Mitglied werden
  • Rückblick
  • Archiv
  • Newsletter
  • Programm
  • Porträt
  • Mitglied werden
  • Rückblick
  • Archiv
  • Newsletter

Franco Supinos Spurensuche in Neapel

20230119_201257.jpg

Franco Supino: In der neapolitanischen Gegenwart auf Vergangenheitssuche.

Es ist auch die bekannte Geschichte von der Migration, der Auswanderung und dem Ankommen (oder Nichtankommen) im gelobten Land. Doch Franco Supino weitet in seinem Roman «Spurlos in Neapel» die Geschichte aus. Nicht Grenchen oder Solothurn, wohin Supinos Eltern in den sechziger Jahren aus dem neapolitanischen Hinterland ausgewandert sind und wo Supino 1965 geboren wurde, sind Ort der Handlung, sondern Neapel und sein Umfeld sind es. Und wo Neapel ist, ist auch das Thema Camorra nicht weit weg. Die Lesung und das Gespräch mit dem Literaturvermittler Beat Mazenauer ermöglichten einen tiefen und kenntnisreichen Einblick einerseits in die Arbeitsweise und schriftstellerische Motivation von Supino. Anderseits aber auch zu Fragen der Identität und der Herkunft. «Du willst ja gar kein Italiener sein», habe ihm seine Mutter gesagt. Seine Schulkollegen hätten die Cantautori der siebziger Jahre besser gekannt als er selbst. Ausgangspunkt des autofiktionalen Buches ist «die Suche, nach dem, was Vater und ich vermisste». So reist der Ich-Erzähler nach dem Tod des Vaters in Italiens Süden, erforscht dort Mentalitätsunterschiede und fragt sich immer wieder, was gewesen wäre, wenn die Eltern mit ihm und seinen Geschwistern nach Neapel zurückgekehrt wären? Wären seine Moralvorstellungen dieselben geblieben, wie er sie in der Schweiz entwickelt hatte? Oder ist so etwas wie Gerechtigkeit milieuabhängig? Die Frage nach den Wurzeln und nach Zugehörigkeit stellt sich auch bei der Suche nach dem spurlos verschwundenen afrikanischen Migrantenjungen Antonio, dem eine Camorra-Familie Aufnahme gewährte. So wiederholen sich Migrationsgeschichten. Auch Supino war ein paar Monate lang «spurlos verschwunden» in Solothurn. Als Sohn eines Saisonniers musste er unsichtbar bleiben. Die eigene Geschichte, die vor Ort recherchierten und die erfundenen, machen das, was Supino «eine echte Fälschung» nannte, «so wie auch der exportierte Mozzarella di bufala eine echte Fälschung ist». Sein Schreiben bleibe eine Suche nach der eigenen Biografie, auch wenn er dazu andere Protagonisten benütze. «Ich muss den Grund spüren, weshalb ich schreibe – und das ist die Verbindlichkeit mit dem eigenen Leben.»

19. Januar 2023 / Hans Beat Achermann (Text und Bild)

LiteraturGesellschaft Luzern

Kontakt

Impressum

Disclaimer