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Esther Kinskys literarisches Seismogramm

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Erdbeben haben öfter Eingang gefunden in die Literatur, von Kleist über Reinhold Schneider bis zu Haruki Murakami. Auch «Rombo», das neuste Werk der deutschen Autorin Esther Kinsky, hat ein Erdbeben als Ausgangspunkt. Bei ihrer Lesung im «Schweizerhof», welche die LGL zusammen mit dem Literaturhaus Zentralschweiz organisiert hatte, wurde schnell klar, dass der Roman weit mehr ist als eine Beschreibung der Zerstörungen, welche das verheerende Beben 1976 im Friaul verursacht hatte. Rombo ist das italienische Wort, welches das unheimliche Grollen bezeichnet, das vor dem Beben spürbar ist. Jede der sieben Figuren, Bewohnerinnen und Bewohner eines nicht namentlich genannten Dorfes, erzählt aus ihrer Erinnerung den Tag des Bebens, beschreibt die Zeichen und Ahnungen, die zum Teil auch verwurzelt sind in alten Mythen. Dieser eine Teil, die Erzählpassagen aus der Perspektive der Betroffenen, sind komponiert aus Gehörtem, oral history literarisch verdichtet. Ergänzend zugefügt sind Beobachtungen einer Ich-Erzählerin aus heutiger Perspektive sowie naturwissenschaftliche Erklärungen, Mythen und Legenden, Reflexionen über das Erinnern und über das Vergessen. Sie habe «das poetische Potenzial» der naturwissenschaftlichen Literatur benutzt, sagte die Autorin im Gespräch mit Esther Schneider. Immer klarer wurde dank der klugen Fragen der Moderatorin die Vielschichtigkeit von «Rombo». Kinsky, die selbst einen grossen Teil des Jahres im Friaul lebt und schreibt, entpuppte sich als eine in vielen Wissenschaften bewanderte Erzählerin, die höchst präzise formuliert, Gehörtes, Gesehenes und Gelesenes in eine eigenständige Romanform bringt. Ein Abend, der die rund 30 Interessierten restlos begeisterte und viele angeregt haben dürfte, sich selbst Gedanken über das Wahrnehmen, über das Erinnern und über das Sehen, das «Weiter sehen» zu machen. So wird Esther Kinskys nächstes Buch heissen, wie sie verraten hat. Es wird vom Kino handeln.

Hans Beat Achermann (Text), Daniela Krienbühl (Bild)

LiteraturGesellschaft Luzern

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