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Eine Nachbarschaft zwischen Nähe und Distanz

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Angeregte Gespräche nach der Lesung (von links): Übersetzer Walter Pfäffli, Sprecherin Silvia Planzer, Autorin Catherine Lovey und Moderatorin Ruth Gantert.

Zwei Türen auf demselben Stockwerk in einem Mehrfamilienhaus. Eine Frau und ein Mann, beide alleinstehend: die Icherzählerin und  ein todkranker exilierter Ungar.  Das ist die Ausgangslage des jetzt auf Deutsch vorliegenden Romans von Catherine Lovey «histoire d’un homme qui ne voulait pas mourir», «Geschichte vom Mann, der nicht sterben wollte». Weil es eine kleine Geschichte sei, une histoire ordinaire, wollte Lovey das h im Titel klein geschrieben haben.

Themen mit Tiefgang

«Ich habe keine übergeordnete Idee, wenn ich eine Geschichte schreibe», sagte die Autorin Catherine Lovey gleich zu Beginn der Lesung auf eine Frage von Moderatorin Ruth Gantert. Das Schreiben beginne gewissermassen «avec des choses qui sont physiques», mit einer konkreten Vorstellung, die im Kopf beginne und aus der die Autorin dann die Geschichte entwickelt. Was kann passieren, wenn sich zwei Menschen unfreiwillig (und ab und zu freiwillig bei einem Gläschen) immer wieder begegnen  – und es ist erst noch Pandemie? So beginnt literarisches Schreiben, das Spiel mit den Möglichkeiten, und so beginnt auch die Imagination im Kopf der Leserin oder des Lesers. Es ist eine Geschichte von Nähe und Distanz, von Fragen des Exils und von Heimat, von Kommunikationsmöglichkeiten, von Enge und Weite, vom Leben und vom Sterben, vom Verdrängen und vom Vergessen, von verschiedenen Charakteren und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Allein schon die nicht abschliessende Aufzählung der Themen zeigt den Reichtum dieses schmalen Romans, der trotz seiner Tiefe immer wieder humorvolle Augenblicke hervorzaubert. Soviel sei noch verraten: Eine erotische Liebesgeschichte ist es nicht, eine sehr spezielle Freundschaft aber schon.

Anspruchsvolle Übersetzungsarbeit

Die ausgewählten Textstellen, im Stehen auf Französisch durch Catherine Lovey vorgetragen, am Pult sitzend von der professionellen Sprecherin Silvia Planzer auf Deutsch hervorragend gelesen, vermittelten über den inhaltlichen Reichtum hinaus auch die Schönheit der Sprache, die bildhaft, sinnlich, poetisch ist. Womit wir bei einem weiteren Thema des sehr gut besuchten Abends wären: der Übersetzungsarbeit. Catherine Lovey betonte die Wichtigkeit der Übersetzertätigkeit, die keineswegs einen Verlust, sondern auch einen Gewinn bedeuten könne. Der gebürtige Krienser Walter Pfäffli, der mit spürbarer Lust das Buch übersetzt hat, gab Einblick in die anspuchsvolle Arbeit, erzählte von Telefongesprächen am Wochenende mit der Autorin, um Unverstandenes zu klären.

«Es ist furchtbar schwierig, die Wahrheit über uns selbst zu erfahren, über unsere Natur, unsere Neigungen, unsere Wünsche. Es ist beinahe unmöglich.» Diese Sätze des ungarischen Autors Sàndor Marai hat Lovey ihrem Buch vorangestellt. Ihr Roman unternimmt den überaus geglückten Versuch, unideologisch dem Menschsein und den verschiedensten Arten menschlicher Beziehungen auf die Spur zu kommen, mit literarischen Mittel die condidtion humaine zu erforschen.

«Vous souhaitant une très bonne lecture» hat Catherine Lovey dem Schreibenden aufs Titelblatt geschrieben. Daran besteht kein Zweifel, nach diesem wunderbaren Abend, der von der LGL zusammen mit der Luzerner edition bücherlese organisiert worden war.

Hans Beat Achermann (Text und Bild)

LiteraturGesellschaft Luzern

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