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Ein Vater als Ernährungsfanatiker

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Autorin Ursula Fricker im Gespräch mit Moderator Thomas Heimgartner.

«Wann sind wir denn endlich gesund genug?» fragt Tochter Hanne fast verzweifelt ihren Vater Alwin. Auch sie möchte sich manchmal etwas gönnen, das nicht unter der väterlichen Ideologie des Gesundheitswahns steht. Denn dieser Vater ist ein Orthorektiker, einer, der die Gesundheit zur Ideologie (oder Religion) gemacht hat und damit seine Familie terrorisiert. Ursula Frickers stark autobiografisch geprägter Roman «Gesund genug», aus dem sie im Schweizerhof las, greift ein auch heute aktuelles Thema auf: Fanatismus, Abschottung, Schwarz-Weiss-Denken, Rigidität. «Ein perfider Schachzug des Schicksals», wie die Autorin sagt will es, dass dieser scheinbar gesunde Mann von einem Tag auf den andern an einem tödlichen Darmkrebs erkrankt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Tochter schon viele Jahre ausgezogen, allerdings immer noch mit dem langen Schatten des Vaters unterwegs, auf dem schwierigen Weg zu einer eigenen Identität, in der auch Lust und Genuss ihren Platz haben dürfen.

Die Lesung und das Gespräch zeigten auf, wie vielschichtig das Buch ist: Der Familienroman ist erweitert um gesellschaftspolitische Themen, es geht um ethische Fragen und natürlich: Wie weit ist Gesundheit beeinflussbar und wo wird gesund zu ungesund? Interessant auch die Gedanken, die aufzeigen, wie dieser Vollwertkost-Fanatismus in faschistisches Denken kippen kann. Der Text von Ursula Fricker ist kein Wutbuch, wie sie selber sagt, auch kein Thesenroman, sondern ein differenziertes, «warmes» Buch, durchaus auch mit zärtlichen Passagen und einer wunderbaren Stelle, die sie zum Schluss vorlas: Die Mutter kauft sich eine E-Piano, gönnt sich endlich einen Rest eigenes Leben. Moderator Thomas Heimgartner stellte klug und empathisch weiterführende Fragen und auch die Zuhörenden wollten noch mehr erfahren, zum Beispiel zur Rolle des Bruders und der Mutter, aber auch zum Schreibprozess, zum Aufbau des Buches, das auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Während im Buch gezeigt wird, wie beinahe unmöglich ein Dialog mit fanatischen Rechthabern ist, gelang der Dialog mit der in der Nähe von Berlin lebenden Autorin auf sympathische Weise.

Hans Beat Achermann (Text und Bild)

LiteraturGesellschaft Luzern

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