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Florescus fulminantes Feuerwerk

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Ein grossartiger Geschichtenerzähler: Catalin Dorian Florescu.

Es war ein fulminanter Abschluss des LGL-Jahresprogramms 2022: Catalin Florian Florescu las aus seinem neusten Roman «Der Feuerturm» und er entzündete buchstäblich ein literarisches Feuerwerk. Und um im Bild zu bleiben: So viel Feu sacré ist an einer Lesung selten zu spüren. Denn es waren nicht nur die vorgetragenen Texte, die von einer unbändigen Erzähllust zeugen, es war auch der im Gespräch mit der Moderatorin Martina Kuoni vor narrativer Freude sprudelnde Autor.  «Der Feuerturm» ist eine Familiensaga im Bukarest der letzten hundert Jahre. Drei Jahre Recherchearbeit liegen dem 360seitigen Buch zugrunde, gesammelte Fakten, erweitert durch die schier grenzenlose Fantasie des Autors und ergänzt mit eigenen Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend. Florescu wuchs in Rumänien auf und kam erst als 14-Jähriger in die Schweiz. «Der Feuerturm» beginnt mit einer Legende, deren Kernsatz lautet: «Die Welt war eine Lichtung im Walde.» Mythen und Legenden, Religion und (Aber)glauben werden vermischt mit den historischen Fakten. Dies führt zu einem «magischen Realismus», wie wir ihn auch von der südamerikanischen Literatur kennen. Besonders hervorgehoben hat Florescu seine Liebe zu den Heiligen, und deren gibt es viele im Buch. Kleine Geschichten und die grosse Geschichte, das Private und das Politische sind untrennbar verbunden und überlappen sich. Tote und Lebendige treffen aufeinander und umzingeln den «Feuerturm», dieses einst höchste Gebäude von Bukarest. Dieser Turm war es denn auch, der die Initialzündung zum Buch gab, denn eigentlich hatte Florescu eine andere Geschichte im Kopf, als er vor sechs Jahren nach Bukarest reiste. Doch er verliebte sich in dieses Bauwerk, und so wurden der Turm und dann die ganze Stadt zu Protagonistinnen dieser grossen Erzählung, in der das Melancholische und das Komödiantische sich abwechseln. Geschichte wiederholt sich, doch trotz der immer wiederkehrenden Gewalt bleibt die Hoffnung auf Glück, eine Kontinuität des Menschlichen. «Der Feuerturm» ist auch ein Buch gegen das Vergessen wie das Schreiben Florescus eine Form des lustvollen Widerstands ist. «Kreativität ist nichts anderes als sich verlieben», sagte der Autor im Gespräch. Wollen wir hoffen, dass er sich weiterhin verliebt!

13. Dezember 2022 / Hans Beat Achermann (Text und Bild)

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