Auf Ping folgt nicht immer Pong
Thomas Heimgartner liest aus seinem Tischtennis-Roman «Ping», Sara Pezzatti verkörpert die Roman-Tochter Valerie.
Es war ein hintersinnig leichter und verspielter Abend mit Thomas Heimgartner, dem Autor des Romans «Ping». Und es war, wie der Untertitel des Buchs heisst, ein Zweiseitenspiel, nein sogar ein Dreiseitenspiel: denn neben dem Moderator Manfred Papst und dem Autor sass auch noch Valerie am Tisch, die Roman-Tochter des Roman-Vaters Ralph. Die Germanistin und Lehrerkollegin von Thomas Heimgartner, Sara Pezzatti, las schauspielerisch versiert die Stellen, die Valerie an ihren Vater richtet. Und natürlich durften neben den sportlichen Jacken mit den drei Streifen auch die kleinen weissen Bälle und der gummierte Schläger als Accessoires nicht fehlen, ebenso die Karten mit dem jeweiligen Spielstand, die auch den Roman strukturieren.
Ich weiss nicht, ob Pingpong oder Tischtennis, wie die Profis sagen, je schon Hauptdarsteller in einer fiktiven Erzählung waren. Jetzt sind sie es definitiv, erweitert allerdings um das «metaphorische Potenzial», wie Manfred Papst anmerkte. Denn neben dem Hin und Her auf der Platte gibt es ein «Duett» zwischen Vater und Tochter, und weil Ping nicht nur die erste Silbe des Pingpongs ist, sondern auch noch der Name des geheimnisvollen chinesischen Mädchens, das den pubertierenden Jungs und Mädchen beim Spielen und Knutschen zuschaut, bekommt der Roman laufend neue Dimensionen bis zum Schluss: der Flirt mit Ping bleibt einseitig, das Pong bleibt aus. Das literarische Match endet 21 zu 20. Bei diesem Stand gibt es keinen Sieger oder keine Siegerin. Open end! Der entscheidende Matchball muss im Kopf gespielt werden.
Er habe zweifellos auch in seinem dritten Roman wiederum eine neue Literaturgattung erfunden, bemerkte Literaturkritiker Papst, der auch das Nachwort zum Buch beigesteuert hat und seine offensichtliche Begeisterung in seinen Fragen nie verbarg. Den «Aufschlägen» voller Esprit kamen mal schupfende, angeschnittene oder schmetternde Antworten zurück, die den Entstehungsprozess und die Idee des Buches weiter erläuterten und das Wechselspiel anschaulich und charmant zum Hörerlebnis werden liessen.
Heimgartner, in seiner Jugend selbst passionierter Tischtennisspieler und deshalb bestens mit dem spezifischen Vokabular vertraut, las abschliessend einen Rap-artigen Kurztext, in der das Spiel und das Buch nochmals rasant zusammengefasst wurden, halb gereimt und rhythmisch verdichtet: ein sprachliches Feuerwerk und eine Hymne auf das Zweiseitenspiel.
Der einmal gehörte und von Manfred Papst zitierte Satz, dass die vielen schreibenden Lehrer der Untergang der Schweizer Literatur seien, wurde an diesem Abend eindrücklich widerlegt.
Hans Beat Achermann (Text und Bild)