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Newsletter der LiteraturGesellschaft Luzern

Juli 2026

Liebe Mitglieder der LiteraturGesellschaft Luzern
Liebe Freunde und Freundinnen guter Literatur

«Es gibt Tage, da möchte man die ganze Welt umarmen, in diesen Tagen aber am allerliebsten ein grosses Eis oder einen kühlen Brunnen.»

Wer wünschte sich angesichts der flimmernden Hitze dieser Tage nicht genau das, was Axel Hacke am 28. Juni 2026  in seinem «Brief aus dem Büro» beschreibt. Wir empfehlen Ihnen zusätzlich, so oft wie möglich einen lauschig kühlen Ort aufzusuchen und in die Seiten eines Buches einzutauchen. In welche Bücher sich die LGL-Vorstandsmitglieder in der Sommerpause an einem Schattenplätzchen vertiefen werden, verraten wir Ihnen weiter unten im Newsletter.


Vorschau auf 2026-2

Weitere Lektüre-Tipps ergeben sich selbstverständlich auch aus dem LGL-Programm 2026-2. Beim Lesen der neuen Romane folgender Autor:innen kann die Vorfreude auf eine persönliche Begegnung wachsen. Heinz Stalder («Marschieren») lässt einen Bauer, der als Knecht und dann als Ehemann zu einer Witwe kam, einen ersten und letzten Dialog mit seiner toten Ehefrau führen, notabene in indirekter Rede. Alexandre Lecoultre («wo das gewitter spielt») lässt zehn Stimmen aus der Stille auftauchen und von Erfahrungen sprechen, die wir nur zu gut kennen und doch ganz neu entdecken. Barbara Honigmann («Mischka») berichtet vom Leben und Überleben kommunistischer jüdischer Intellektuellen, die den Lagern der Nazis und des Gulags entkamen. Dana Grigorcea («Tanzende Frau, blauer Hahn») erzählt von Liebesvariationen in den rumänischen Karpaten und lässt Camil und Rowana ergründen, wann Liebe Liebe ist. Lukas Bärfuss («Königin der Nacht») schreibt über seine Mutter, einer Frau ohne Bildung, ohne Perspektiven, einem unstillbaren Freiheitsverlangen, eine Rabenmutter.

«Wer die Wahl hat, hat die Qual» – so muss es nicht sein. Beat Mazenauer wird im November mit seinen Tipps, seinen Lieblingsbüchern 2026, helfen, aus der Fülle der Neuerscheinungen die wirklich wichtigen Bücher zu finden.

Ausführliche Informationen zu den LGL-Anlässen in der zweiten Jahreshälfte 2026 finden Sie auf unserer Website und im August-Newsletter. Mitglieder erhalten das Programm per Briefpost Anfang August.


Mit der erforderlichen, rechtzeitigen Reservation an die Mail-Adresse reservation@literaturgesellschaft-lu.ch sichern Sie sich Ihren Platz bei der gewünschten Lesung. Falls Sie verhindert sind, bitten wir um einen Hinweis. So können wir Interessierte, die auf der Warteliste stehen, noch berücksichtigen.


Rückblick auf 2026-1

In der ersten Jahreshälfte schenkten uns Christine Bilkau, Catherine Lovey, drei Krimi-Autor:innen (Viktor Steinhauser, Stephan Pörtner und Gabriela Kasperski), Sarah Kuratle und Tomer Gardi bewegende, vielfältige Einblicke in ihre neuen Werke.

Im Juni bildeten drei Lesungen, drei grossartige Autor:innen, drei faszinierende literarische Werke und drei bestens bekannte Moderator:innen einen intensiven, fulminanten Abschluss  des Programms 2026-1.

Ilma Rakusa

Ilma Rakusa beantwortet in ihrer Tagebuchprosa «Wo bleibt das Licht» die Titelfrage, die keine ist, sondern vielmehr ein verzweifelter Ausruf, auf 556 Seiten mit verschiedenen Textsorten. Mit dem Krieg in der Ukraine beginnt das Buch, begann am 9. Juni die Lesung im Salon 11 des Schweizerhofs. Mit Unglück und Verzweiflung. «Glücklich, glücklich, glücklich» sind die letzten drei Worte 556 Seiten später. Das Politische und Private, sie sind nicht zu trennen in diesem reichen Lebensbuch der 80-Jährigen, das nicht chronologisch datiert ist, aber doch fortlaufend geschrieben, wie Ilma Rakusa im Gespräch mit Manfred Papst erzählte. (…) Grossartig die gelesene «Schöpfungsgeschichte» mit dem missratenen Zweibeiner Mensch, grossartig und berührend auch die Beschreibung des ins Verkleidungsspiel versunkenen Enkels, ebenso grossartig die Stelle mit dem Schnee, der lautlos auf Schnee fällt, ganz «demokratisch». Beeindruckend auch die litaneiartige Passage, in der sie aufzählt, was alles sie aufgehört hat zu tun (und was nicht).

Zum Rückblick

Catalin Dorian Florescu

Beim Schreiben sässen ihm oft Filmregisseure wie Federico Fellini oder Emir Kusturica im Rücken, erwiderte Catalin Dorian Florescu eine Woche später, am 16. Juni, auf die Frage von Moderatorin Nicola Steiner nach Vorbildern oder Inspirationsquellen. Dann schaute er nach hinten in den wunderbaren Bringolf-Saal im Schweizerhof, da war niemand, er aber imaginierte weiter, stellte sich vor, er sässe zusammen mit Nicola Steiner in einem Schlosshotel, wo sie als G2-Gipfel eben «die Weltfreiheit» verkünden würden: Tragikomik vom Feinsten in Anspielung auf den aktuellen G7-Evian-Gipfel. Freiheit war denn auch der zentrale Begriff des intensiven Gesprächs, ausgehend vom Romantitel «Matei entdeckt die Freiheit». (…) Mateis Entdeckung der Freiheit ist ambivalent, denn Frieden findet er nicht. Hass als Erlösung? Der Psychoanalytiker Florescu blieb auch bei dieser Frage unideologisch: Hass könne sowohl Gift sein als auch eine produktive Kraft.

Zum Rückblick

Usama Al Shahmani

«Ein ‘poetisches Aufklärungsbuch’ könnte man ihn nennen, den neuesten Roman «In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied» von Usama Al Shahmani, den wir, wiederum eine Woche später, am 24. Juni zusammen mit Luzia Stettler begrüssen durften. Der 1971 in Bagdad geborene Autor und Literaturwissenschaftler, der seit 2002 in der Schweiz lebt, erzählt darin von einem weitestgehend unbekannten und verschwiegenen Kapitel der neueren Geschichte: der Judenverfolgung unter Mithilfe der Nazis in Bagdad, wo bis Anfang des 20. Jahrhunderts Juden, Muslime und Christen friedlich zusammenlebten. Wie so oft bei Lesungen öffnete das Gespräch neue Räume, zusätzlich zu den zwei Räumen, die das Buch beinhaltet: die Faktenebene und die Fiktion. (…)

Mit neuem Wissen und bereichert durch einen engagierten Auftritt des Autors verliess das Publikum die literarischen Romanräume und den realen Salon 2 im Schweizerhof. Draussen vor der Tür wartete die Welt der Bildschirme, auf denen eben der Fussballmatch zwischen der Schweiz und Kanada begonnen hatte. Noch hatte die Literatur nach 90 Minuten gesiegt.»

Zum Rückblick


Die LGL braucht zusätzliche Unterstützung

Gerne weisen wir noch einmal auf unsere Mittelbeschaffungsaktion hin, auf die wir bereits im letzten Newsletter aufmerksam gemacht haben und die vielversprechend angelaufen ist. Die LGL braucht eine kleine, effiziente Geschäftsstelle im Umfang von ca. 20%, um auch in Zukunft ein reichhaltiges Angebot an Lesungen organisieren zu können. Neu gibt es die Möglichkeit, mit jährlich 120 Franken Spender:in-Mitglied, mit 250 Franken Gönner:in-Mitglied oder mit 500 Franken Donator:in-Mitglied zu werden. Selbstverständlich sind auch selbstgewählte Zuwendungen ohne Mitgliedschaft willkommen. Nehmen Sie mit uns Kontakt unter info@literaturgesellschaft-lu.ch auf; wir schicken Ihnen gerne die entsprechenden Informationen. Wir danken Ihnen für Ihre grosszügige Unterstützung!

Infoblatt «Mittelbeschaffung»


Ein gutes Buch gehört zum Sommer wie der Sprung ins kühle Nass.

Wir wünschen Ihnen überraschende, beglückende, inspirierende Lektüre-Sprünge und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Es grüssen Sie herzlich
Regula Jeger und das ganze LGL-Team


Was wir, die Vorstandsmitglieder, im Sommer lesen

Hans Beat Achermann liest von Jaroslav Rudiš: «Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen». Piper 2021, 256 Seiten.
Der (und die) Kluge reist im Zuge und liest – vielleicht in einem Zug auf einer Fahrt in den Süden – kluge, verrückte und amüsante Geschichten über Zugreisen durch Europa. Einsteigen, bitte!

Anna Chudozilov liest von Tanja Šljivar: «Nationaltheater», Roman (aus dem Serbokroatischen von Maša Dabić). Suhrkamp 2026, 236 Seiten.
Die junge Frau und das alte Theater: Diese Mésalliance soll Spass machen. Und Serbien erklären – zumindest ein bisschen. 

Jürg Fritzsche liest von Siri Hustvedt, «Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung», (übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald). Rowohlt Verlag 2026, 400 Seiten.
Vor zwei Jahren starb Paul Auster. Die nicht minder berühmte Autorin Siri Hustvedt hatte über vier Jahrzehnte lang mit ihm zusammengelebt. In «Ghost Stories» setzt Hustvedt ihrem Ehemann nun ein Denkmal.

Flavia Hunziker liest von Eva Strasser: «Wildhof». Roman, Klaus Wagenbach Verlag 2025, 208 Seiten.
Rückkehr in den Heimatort, die verschwundene Schwester, alte Freundschaften, die Suche nach der Wahrheit. Der eigentliche Hauptprotagonist: der Wald.

Regula Jeger liest von Ilma Rakusa: «Mehr Meer», Erinnerungspassagen. Droschl 2009 (Schweizer Buchpreis 2009).
Ihre Liebeserklärungen an Triest und Grado werden mich – einmal mehr – an diese Orte begleiten. Gerne wiederhole ich «Lesen Sie gut und Gutes» und immer wieder Ilma Rakusa.

Ursula Korner liest von Silvia Bovenschen: «Älter werden». Reihe Fischer Taschenbibliothek 2026 (1. Auflage 2006), 208 Seiten.
Ein poetischer Bericht über das Älterwerden, Erinnerungen und die Frage nach dem Ich. Das Kleinformat passt in jeden Rucksack oder lässt sich auch gut im Liegestuhl lesen.

Verena Mock liest von Zoë Jenny: «Spätestens morgen». Erzählungen, Frankfurter Verlagsanstalt 2013, 124 Seiten.
Ich bin neugierig, was die gebürtige Basler Autorin nach dem Bestseller «Das Blütenstaubzimmer» geschrieben hat. Erzählbände mag ich, wenn ich auf Reisen bin.

Hans Rudolf Schärer liest von Stefan Bollmann, «Die literarische Hausapotheke. Lektüren für jede Lebenslage», Klett-Cotta 2026, 301 Seiten.
Literatur als Therapie? Nein, aber Literatur als praktische Orientierungshilfe in Kurzporträts von 62 Werken aus der Weltliteratur, und dies alles vergnüglich dargebracht

Felicitas Spuhler liest von Dana Grigorcea: «Die nicht sterben». Roman. Penguin 2022, 260 Seiten, Schweizer Literaturpreis 2022.
Sommer: Dracula-Schauder – Einlesen ins Werk der Autorin, welche uns am 29. Oktober 2026 «Tanzende Frau, blauer Hahn» schenken wird, ihren neusten Roman mit sommerlichen Liebesvariationen.


Für Ihre Agenda

Do 27. August 2026, Hotel Schweizerhof Luzern
Heinz Stalder, Marschieren, Kampa 2026   

Di 22. September 2026, Bibliothek Zug 
Alexandre Lecoultre, wo das gewitter singt, der gesunde Menschenversand 2026 Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft Zug

Mi 14. Oktober 2026, Hotel Schweizerhof Luzern
Barbara Honigmann, Mischka, Hanser Verlag 2026

Do 29. Oktober 2026, Hotel Schweizerhof Luzern
Dana Grigorcea, Tanzende Frau, blauer Hahn, Penguin Verlag 2026  

Di 24. November 2026, Hotel Schweizerhof Luzern
Beat Mazenauers Best-Literatur-Liste 2026                 

Mi 2. Dezember 2026, Hotel Schweizerhof Luzern
Lukas Bärfuss, Die Königin der Nacht, Rowohlt Verlag 2026
Kooperation mit dem Literaturhaus Zentralschweiz lit.z