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Newsletter der LiteraturGesellschaft Luzern

November 2026

Liebe Mitglieder der LiteraturGesellschaft Luzern
Liebe Freunde und Freundinnen guter Literatur

Die Autorinnen und Autoren, deren Titel auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises stehen, touren zurzeit nicht nur durch verschiedene Schweizer Städte, sondern auch durch deutsche und sprechen über ihre aktuellen Bücher und über das Glück, für diese wichtige Auszeichnung nominiert worden zu sein. Drei der fünf nominierten Autorinnen, Hayat Erdoğan, Hauptsache kein Zeitgeist (Claassen Verlag), Sonja Sophie Kreis, Das grosse Eis (Rowohlt Verlag) und Sarah Elena Müller, Unwucht (Limmat Verlag) lesen am 4. November 2026, um 19.30 Uhr, in der Stadtbibliothek Luzern. Das Gespräch mit den drei Autorinnen führt Anna Chudozilov, LGL-Vorstandsmitglied und LGL-Präsidentin ab 2027. Reservationen hier.

Auf wen setzen Sie? Am 15. November wird der Schweizer Buchpreis 2026 an der BuchBasel verliehen.

Persönliche Begegnungen mit den beiden anderen nominierten Autor:innen bietet die LGL an: Am 2. Dezember 2026 liest Lukas Bärfuss bei uns, am 7. März 2027 Yael Inokai.


Beat Mazenauers Lieblingsbücher 2026

Wir bleiben unserer Tradition treu und laden Sie am Dienstag, 14. November 2026, zu Beat Mazenauers Präsentation seiner zwei Dutzend Lieblingsbücher des Jahres 2026 ein. Romane, Erzählungen, Essays, Poesie und Comics, Aufgefallenes und Ausgefallenes. Manuskriptfrei spricht der Luzerner Literaturspezialist über Inhalte, stellt Bezüge her, wertet und begeistert mit seiner Eloquenz und Belesenheit.


Barbara Honigmanns Kosmos und Universum

In Barbara Honigmanns neuem Buch, aus welchem die Autorin am 14. Oktober 2026 bei der LGL las, wird einmal mehr ihr eigener Lebensstoff zu Lesestoff. «Mischka» ist ein Erinnerungsbuch, im Untertitel steht schlicht «Drei Porträts». Das ist einerseits genau, weil das Buch drei Kapitel umfasst, andererseits untertrieben, weil es weit mehr als drei Personen sind, die Honigmann lebendig werden lässt, lebendig durch ihre anschauliche, genaue Sprache. Es sind Menschen aus verschiedenen Generationen, die meisten jüdisch, die meisten mal dem Kommunismus verbunden, später Dissidenten. Als «Kaleidoskop» bezeichnete die bestens vorbereitete Moderatorin Bettina Spoerri dieses Personenuniversum, bei dem immer wieder andere Menschen im Mittelpunkt stehen. «Menschen, die für oder gegen Ideologien kämpfen. «Mischka» ist nicht nur ein privates Buch, sondern auch ein hochpolitisches, denn beim Schreiben habe sie die Geschichte, auch die aktuelle, immer mitgedacht. Besonders das Nichtwissen-Wollen vor allem der Linken über die Gräueltaten des Gulgas in der Sowjetunion habe sie immer «wahnsinnig aufgeregt», bekannte Honigmann. Die Empörung manifestierte sich anschaulich in Mimik und Gestik, wie überhaupt die ganze Lesung sich durch eine seltene Authentizität auszeichnete.

Lesen Sie hier den ganzen Rückblick von Hans Beat Achermann


Was wir zu träumen wagen

Was Kunst bewirken, welche Freiheit Literatur eröffnen kann: Mit diesen Fragen beschäftigt sich Dana Grigorcea immer wieder in ihrem Werk. Sie spielen nun auch eine zentrale Rolle in ihrem sechsten deutschsprachigen Roman «Tanzende Frau, blauer Hahn», aus dem sie am 29. Oktober 2026 für die LiteraturGesellschaft Luzern gelesen hat. Ruth Gantert führte als Moderatorin aufmerksam und umsichtig durch das Gespräch und baute damit Grigorceas Gedanken und ihrer Lust am Erzählen eine wunderbare Bühne.

Der Roman führt ins rumänische Bușteni, eine Kleinstadt in den Karpaten, wo sich in den 1990er-Jahren die Jugendlichen Roxana und Camil begegnen. Sie stammt aus einer wohlhabenden Bukarester Familie, die sie Sommer für Sommer an die frische Bergluft schickt, er wächst in Bușteni in einfachen Verhältnissen auf. Gemeinsam beobachten sie die Liebespaare im Ort und erzählen sich deren Geschichten. So versuchen sie einer Sprache für die Liebe auf die Spur zu kommen, die auch zwischen ihnen zu keimen angefangen hat. Wie wichtig dabei das gemeinsame Lachen ist, hatte bereits Regula Jeger in ihrer Einführung hervorgehoben. Roxana und Camil sind fest entschlossen, selbst in den merkwürdigsten Situationen etwas Komisches zu entdecken – eine Haltung, die sie mit der Autorin teilen.

Zum ganzen Rückblick von Anna Chudozilov


Wir stellen vor: Linda Malzacher, Geschäftsleiterin LGL

Die LGL-Mittelbeschaffungsaktion im vergangenen Sommer hatte zum Ziel, eine Geschäftsstelle für die LGL einzurichten. Dank der grosszügigen Unterstützung vieler Spender und Spenderinnen, die meisten LGL-Mitglieder, konnte eine professionelle, fachkompetente Geschäftsleiterin im Mandat angestellt werden. Linda Malzacher, Germanistin, Buchhändlerin, mit Aufträgen in den Bereichen Kommunikation, Organisation und Administration u.a. bei den Solothurner Literaturtagen, Geschäftsführerin beim Lettera Literaturfest Luzern, kümmert sich seit einigen Wochen um die organisatorischen Vorbereitungen für das LGL-Programm 2027. Wir heissen Linda Malzacher im LGL-Team willkommen und freuen uns auf die Zusammenarbeit.


In eigener Sache

Leider war in der letzten Woche der Zugriff auf unsere Webseite während längerer Zeit nicht möglich. Der GRund waren Sicherheitsprobleme, die ein Update und verschiedene technische Anpassungen notwendig machten. Wir hoffen auf Ihr Verständnis und entschuldigen uns dafür. 

Wir sehen uns – hoffentlich bald!

Regula Jeger und das ganze LGL-Team


Ein Crowdfunding für «Kurze Tage, lange Nächte»

Bei der edition bücherlese erscheint in diesen Tagen die Anthologie «Kurze Tage, Lange Nächte», eine stimmungsvolle Sammlung neuer Wintergeschichten. Zwölf Autor:innen, darunter Thomas Heimgartner, Theres Roth-Hunkeler, Heinz Stalder, Pius Strassmann, haben eigens für diesen Band Texte geschrieben, heitere, melancholische, nachdenkliche oder leichtfüssige. Ruth Gantert verfasste dazu ein wunderbares Nachwort.

Weil die Finanzierung dieses schönen Bandes eine grosse Herausforderung für den Verlag darstellt, startete die Verlegerin Judith Kaufmann zur Unterstützung ihres Projektes ein kleines, unkompliziertes Crowdfunding, das wir Ihnen ans Herz legen möchten.

Hier finden Sie die wichtigen Informationen dazu. edition bücherlese


Lektüretipp von Verena Mock, LGL-Vostandsmitglied

Jonas Lüscher auf Peter Weiss’ Spuren

Jonas Lüschers Stil bereitete mir grosses Vergnügen. Etwa in der Geschichte vom Mechaniker, der sich erschiessen will. Er schmiedet sich zu diesem Zweck eigenhändig eine Pistole, doch darüber vergehen ihm die Selbstmordgedanken. Das Buch pflegt den schwarzen Humor. Aber der Aufbau ist sperrig. Man weiss nie, wo auf der Welt und in welchem Jahrhundert man landet. Frankreich 1920, England 1820, Kairo 2025. Beim Lesen fühlte es sich an, wie wenn ein begeisterter Freund mit verbundenen Augen mich durch eine unbekannte Stadt führte, und an ausgewählten Stellen nimmt er mir die Augenbinde ab, um etwas zu zeigen.
Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, reist auf den Spuren seines Vorbildes Peter Weiss (1916-1982) durch die Welt. Davon angeregt, schreibt er neue Texte, die er gleich in sein Tagebuch einfügt. Innere und äussere Reise sind miteinander verknüpft. Ein Leitmotiv: Mensch und Maschine. Doch obwohl die Gesellschaftskritik des deutschen Autors und Malers Peter Weiss, die in den 70er- und 80er-Jahren den Ton angab, das Buch inhaltlich prägt, ist es kein Thesenroman und keine Intellektuellenbiografie. Lüscher erfindet originelle Geschichten, die man nicht mehr vergisst.

Jonas Lüscher, «Verzauberte Vorbestimmung», Roman, Hanser 2025, 345 Seiten
 


Für Ihre Agenda        

Di 24. November 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Beat Mazenauers Best of Literatur-Liste 2026

Mi 2. Dezember 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Lukas Bärfuss, Die Königin der Nacht, Rowohlt Verlag 2026
Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Zentralschweiz lit.z

Di, 26. Januar 2027, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Tine Melzer, Lotto, Jung&Jung 2026

Di, 23. Februar 2027, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Perikles Monioudis, Die früheren Bemalungen. Eine Kindheit. Knapp Verlag 2027