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Newsletter der LiteraturGesellschaft Luzern

September 2026

Liebe Mitglieder der LiteraturGesellschaft Luzern
Liebe Freunde und Freundinnen guter Literatur

Die neue Saison nach der Sommerpause hat begonnen, am 27. August 2026 mit einem grossartigen Anlass im altehrwürdigen Zeugheersaal, mit vier «Elefanten» und einem begeisterten Publikum, darunter auch die Schriftstellerin Angelika Overath, die von einem «legendären Abend» sprach.

«Ehre, wem Ehre gebührt.» Die Ehre galt ganz Heinz Stalder, dem 87-jährigen Autor aus Kriens und seinem Roman «Marschieren», dessen Wiederentdeckung bzw. Neuauflage von über 120 Literaturinteressierten gefeiert wurde.

Schon das prominent besetzte Podium zeugte davon, dass hier ein Autor und ein Werk bejubelt wurden, das 1984 ein Solitär war in der Schweizer Literaturlandschaft. Charles Linsmayer, der Wiederentdecker und Herausgeber der Neuauflage, Robert Hunger-Bühler, begnadeter Rezitator, Manfred Papst, freundschaftlich verbundener Moderator, sie alle zeigten dem gebürtigen Berner Autor Heinz Stalder ihre Begeisterung.

«Wie ein Mahlstrom» sei «Marschieren» und Stalder ein Figurenautor, der in die Menschenseelen hineingehe, sagte Hunger-Bühler und bekannte, dass er den Roman ohne Marschhalt gelesen habe, quasi durchmarschiert sei.

«Marschieren» stand 1984 und steht auch 2026 «als ein erratischer Block in der Schweizer Literaturlandschaft» (Manfred Papst). Die wiederholte oder Erst-Lektüre dieses Romans ist höchst empfehlenswert.

Lesen Sie hier den ganzen Rückblick von Hans Beat Achermann auf die Lesung.

Zur Fotogalerie, die Emanuel Ammon erstellt hat.


Sprache als Gegenmittel

Là où chante l’orage

wo das Gewitter singt

j’ecrivais les vies fragmentaires

En regardant dans les trous

En lisant entre les lignes 

 Ich würde lebensscherben schreiben

 dafür in die löcher blicken

 zwischen den Zeilen lesen

«Zehn verschiedene Stimmen durchziehen Alexandre Lecoultres zweisprachigen Spoken-Word-Band. Jede der beinahe körperlosen Stimmen wirkt von der groben Sprache, die uns umgibt, irritiert und bedrängt. Die Texte versuchen, sich dagegen zu behaupten: gegen die Sprache von Bewerbungsschreiben, von stumpf werdenden Erlebnissen, von Telefonwarteschleifen. Sie tun das schüchtern oder schwarzhumorig, trotzig oder niedergeschlagen. Lecoultre gelingt dabei etwas Bemerkenswertes: ein echter sprachlicher Gegenvorschlag zum Dauerdröhnen des Alltags.»
So die persönliche Leseempfehlung von Tobias Lambrecht, Jury-Mitglied der SRF-Bestenliste.

Am Dienstag, 22. September 2026, lädt die LGL (zusammen mit der literarischen Gesellschaft Zug) zu einer Begegnung mit Alexandre Lecoultre ein. Ruth Gantert, welche den Text übersetzt hat, wird das Gespräch mit dem Autor führen. Der Anlass findet in der Bibliothek Zug, St. Oswalds-Gasse 21, in Zug statt und beginnt um 19.30 Uhr.

Eine Anmeldung auf www.literarische.ch/anmeldung ist empfehlenswert. 

 

Wir freuen uns auf Sie!

Regula Jeger und das ganze LGL-Team


Lektüretipp von Flavia Hunziker, LGL-Vorstandsmitglied

Eine tierische Satire entflarvt den Politikmechanismus

Was passiert, wenn plötzlich 20’000 Elefanten vor der Tür stehen? In «Das Geschenk» von Gaea Schoeters wird genau dieses Szenario Wirklichkeit. Als Reaktion auf Deutschlands Einschränkungen bei der Einfuhr von Jagdtrophäen schickt Botswana kurzerhand 20’000 Elefanten nach Deutschland.

Was folgt, ist ebenso absurd wie herrlich unterhaltsam. Mit viel Witz und feiner Ironie zeigt Schoeters, wie die Politik mit der unerwarteten Situation umzugehen versucht. Das Problem wird von einem Departement zum nächsten geschoben, Zuständigkeiten werden weitergereicht, Schuldige gesucht und Verantwortung möglichst vermieden. Dabei erinnert so manche Szene erstaunlich an die gegenwärtige politische Realität.

Bei aller Komik bleibt «Das Geschenk» eine scharfsinnige Satire über politische Dynamik, Bürokratie und Machterhalt und wirft zugleich Fragen über das Verhältnis Europas zu Afrika auf. Ein Roman, der einem zum Schmunzeln bringt, ohne dabei seine kritischen Untertöne zu verlieren.

Gaea Schoeters: Das Geschenk, Roman, Zsolnay-Verlag 2025, 144 Seiten. 


Ein Zusatz-Tipp:

Ein Dialog zwischen Lyrik und Musik

Im Rahmen von Lucerne Festival Summer 2026 gastiert am Freitag, 11. September 2026, die renommierte Lyrikerin Amanda Gorman gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler im KKL Luzern. Die heute 28-jährige Gorman ist bekannt geworden, als sie 2021 bei der Amtseinführung von Joe Biden ihr Gedicht «The Hill We Climb» vortrug. Weitere Informationen finden Sie hier.


Für Ihre Agenda        

Di 22. September 2026, 19.30 Uhr, Bibliothek Zug
Alexandre Lecoultre, wo das gewitter singt, der gesunde Menschenversand 2026
Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft Zug und dem Verein Zuger Übersetzer

Mi 14. Oktober 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Barbara Honigmann, Mischka, Hanser Verlag 2026

Do 29. Okt0ber 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Dana Grigorcea, Tanzende Frau, blauer Hahn, Penguin Verlag 2026  

Di 24. November. 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Beat Mazenauers Best of Literatur-Liste 2026

Mi 2. Dezember 2026, 19.30 Uhr, Hotel Schweizerhof Luzern
Lukas Bärfuss, Die Königin der Nacht, Rowohlt Verlag 2026
Kooperation mit dem Literaturhaus Zentralschweiz lit.z

Reservationen sind ab sofort möglich unter reservation@literaturgesellschaft-lu.ch.